{"id":4,"date":"2012-08-22T02:19:29","date_gmt":"2012-08-22T00:19:29","guid":{"rendered":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=4"},"modified":"2012-08-22T02:19:29","modified_gmt":"2012-08-22T00:19:29","slug":"kommunikationskiller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=4","title":{"rendered":"Kommunikationskiller"},"content":{"rendered":"<p>Raus aus dem Bahnhof, am Puff vorbei, kurz einen Blick ins italienische Restaurant geworfen und endlich auf der Stra&#223;e, die nach Hause f&#252;hrt. Gleich ist dieser grauenhafte Tag voller d&#228;mlicher Karnevalisten geschafft. T&#252;re zu, Licht aus und die Welt kann mich kreuzweise. W&#252;rde mir da nicht diese Horde pubertierender M&#228;dchen den Weg versperren.<br \/>\nZum Gl&#252;ck habe ich einen Discman als Schutz dabei, denn so kann ich Taubheit ant&#228;uschen. Die Horde ist in Smalltalk vertieft, der hin und wieder durch einen jungfr&#228;ulich-unterv&#246;gelten Lachanfall unterbrochen wird. Sie haben mich noch nicht bemerkt. Mir hingegen f&#228;llt auf, dass sich alle Mitglieder dieser Gruppierung sehr &#228;hneln. Ob es nun Emos waren oder nicht, konnte ich nicht sagen, denn ich habe sie nicht von oben gesehen.<br \/>\nSchnell vorbei.<br \/>\nNach unten sehen.<br \/>\nDiscman aufdrehen.<br \/>\nJa!<br \/>\nGleich geschafft.<br \/>\nFuck. Sie folgen mir.<\/p>\n<p>Ich f&#252;hle mich zeitweise wie der Rattenf&#228;ngler von Hameln. Um meine Aufmerksamkeit zu erlangen, werden sie furchtbar laut. Jedoch traue ich mich nicht, mich umzudrehen. Sie holen auf.<\/p>\n<p>\u201eLalalalalalala! LALALALALALALA!!!\u201c<br \/>\n\u201eDer ignoriert uns!\u201c<br \/>\n\u201eHihihihihihihi. Der ignoriert uns!\u201c<br \/>\n\u201eHabe ich doch schon gesagt! Huhuhuhuhu!\u201c<br \/>\n\u201eOb der uns h&#246;rt?! LALALALALA!!!\u201c<\/p>\n<p>Ich will doch nur nach Hause. Das kann doch nicht zuviel verlangt sein.<br \/>\nSie laufen nun neben mir. Ich &#252;berlege kurz, was zu tun ist und komme zu den Schlu&#223;: Angriff ist die beste Verteidigung.<\/p>\n<p>\u201eLalalalala. Hallo! HALLO!\u201c<br \/>\nIch: \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>Das Hordenmitglied mit den d&#252;mmlichsten Schuhen spricht mich an. Sie muss ca. 16 Jahre alt sein und hat eine wirklich seltsame Frisur, die nur noch durch die penetrant nervige Stimme &#252;bertroffen wird.<\/p>\n<p>Sie: \u201eMusik ist ein Kommunikationskiller.\u201c<br \/>\nIch schaue sie nur an.<br \/>\nSie: \u201eMusik ist ein KOMMUNIKATONSKILLER!\u201c<br \/>\nIch: \u201eIch verstehe kein Wort.\u201c<br \/>\nSie: \u201eKOMMUNIKATIONSKILLER!!!\u201c<br \/>\nIch: \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>Sie ziehen vorbei und drehen sich nicht nochmal um. Danke, Discman. Du hast mich gerettet. Und auch wenn Morrissey nicht geh&#246;rt wurde, soll er an dieser Stelle zitiert werden:<br \/>\nDon&#8217;t forget the songs<br \/>\nThat made you cry<br \/>\nAnd the songs that saved your life<\/p>\n<p>Weil mich diese Begegnung mit der M&#228;dchen-Horde so nachhaltig beeinflu&#223;t hat, lie&#223; ich meinen Kumpel daran teilhaben.<\/p>\n<p><!--more-->Ich: \u201eDu wirst es nicht glauben, Frauen reagieren doch noch auf mich.\u201c<br \/>\nEr: \u201eDu solltest das rosa Shirt nicht mehr anziehen. So erregst du weniger Aufsehen.\u201c<br \/>\nIch: \u201eEs hatte ausnahmsweise nichts mit &#196;u&#223;erlichkeiten zu tun.\u201c<br \/>\nEr: \u201eWieviel musstest du zahlen?\u201c<br \/>\nIch: \u201eIch ignoriere das nun einfach mal. Ich ging an der Sparkasse vorbei und da stand eine M&#228;dchenhorde. Sie verfolgten mich und wollten meine Aufmerksamkeit erregen. Wei&#223;t du, was das f&#252;r ein Gef&#252;hl ist, f&#252;nf M&#228;dchen laufen dir hinterher und du hast deinen Discman auf? Es hatte was Rock\/Popstar-m&#228;ssiges. Ich stellte mir vor, ich w&#228;re Robbie Williams und finde mein Hotelzimmer nicht.\u201c<br \/>\nEr: \u201eDas hei&#223;t also sie waren alle minderj&#228;hrig.\u201c<br \/>\nIch: \u201eEs war dunkel. Robbie h&#228;tte das auch nicht gest&#246;rt.\u201c<br \/>\nEr: \u201eKann es sein, dass sie einfach nur in deine Richtung wollten? Ich mein, die Sparkasse verliert auch mal ihre Reize.\u201c<br \/>\nIch: \u201eKann sein, muss aber nicht. Denn eine von denen sprach mich trotz meiner abweisenden Art an. Sie hatte wirklich seltsame Schuhe an.\u201c<br \/>\nEr: \u201eUnd? Hast du sie gefickt?\u201c<br \/>\nIch: \u201eNein, wie ich sagte: Die Schuhe waren wirklich seltsam.\u201c<br \/>\nEr: \u201eOk, aber ich hoffe, die Geschichte wird dennoch irgendwie interessant.\u201c<br \/>\nIch: \u201eSie sagte zu mir, dass Musik der reinste Kommunikationskiller sei.\u201c<br \/>\nEr: \u201eWie weise. Vielleicht war sie doch &#228;lter, als sie aussah. Eine &#252;berreife Hausmutti, die ihre Tochter imitiert und mit dem Nachbarsjungen schl&#228;ft.\u201c<br \/>\nIch: \u201eWenn man mal so dr&#252;ber nachdenkt, hatte sie sehr wohl recht. Durch die Musik auf meinen Ohren war eine gehaltvolle Kommunikation geradezu unm&#246;glich.\u201c<br \/>\nEr: \u201eHm. Ja, ich bin so froh, dass du das ansprichst. Wird dieses Gespr&#228;ch denn noch irgendwie gehaltvoll?\u201c<br \/>\nIch: \u201eIch habe nun alles gesagt, was mir dazu einf&#228;llt.\u201c<br \/>\nEr: \u201eWas ist mit den anderen? Hast du die gefickt? Oder haben sie dir auch weise Dinge ins Ohr gefl&#252;stert?\u201c<br \/>\nIch: \u201eIch denke nicht und wenn mir noch was dazu einfallen sollte, lasse ich es dich wissen.\u201c<br \/>\nEr: \u201eWas hast du da &#252;berhaupt f&#252;r Musik geh&#246;rt?\u201c<br \/>\nIch: \u201eLaute.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raus aus dem Bahnhof, am Puff vorbei, kurz einen Blick ins italienische Restaurant geworfen und endlich auf der Stra&#223;e, die nach Hause f&#252;hrt. Gleich ist dieser grauenhafte Tag voller d&#228;mlicher Karnevalisten geschafft. T&#252;re zu, Licht aus und die Welt kann mich kreuzweise. W&#252;rde mir da nicht diese Horde pubertierender M&#228;dchen den Weg versperren. 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