{"id":349,"date":"2013-05-21T22:07:22","date_gmt":"2013-05-21T20:07:22","guid":{"rendered":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=349"},"modified":"2013-05-22T11:05:53","modified_gmt":"2013-05-22T09:05:53","slug":"bader-huren-henkerstochter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=349","title":{"rendered":"Bader, Huren, Henkerst&#246;chter"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Im Mittelalter trafen sich Henker, Schneider und Scharlatane im Badehaus\" alt=\"\" src=\"https:\/\/fremdlesen.de\/wp-content\/bilder\/Benjamin_Bader_Henker.jpg\" width=\"495\" height=\"235\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Mittelalter war der Bader oder B&#228;der die wichtigste Person im kulturellen Leben. Er betrieb eine Badestube und da es zu dieser Zeit keine Badewannen oder Duschen in den Privath&#228;usern gab, traf sich der ganze Ort zur K&#246;rperpflege bei ihm. Der Bader reichte Speisen und Getr&#228;nke, unterhielt die Leute, wusch Haare, schnitt N&#228;gel, f&#228;delte geschickt die eine oder andere Ehe ein und behandelte ganz nebenbei noch allerlei Krankheiten. Kurzum: Die Badestube war der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft. Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt daran, dass viele auf den Status des Baders eifers&#252;chtig waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allen voran sind hier die Vorg&#228;nger der heutigen &#196;rzte zu nennen. Diese studierten Empork&#246;mmlinge bildeten sich wer wei&#223; was auf ihr theoretisches Wissen ein. Doch welcher Arzt stellt einem als Entsch&#228;digung f&#252;r eine verpfuschte Operation denn schon die h&#252;bsche Bademagd f&#252;r ein illustres T\u00eate-\u00e0-T\u00eate zur Verf&#252;gung? Genau, keiner. Die tun alle so, als ob sie nichts daf&#252;r k&#246;nnten, wenn ihnen mal ein Patient wegstirbt. Das T&#228;tigkeitsfeld des Arztes ist eben nicht von dem ehrbaren Beruf des Baders ableitbar. Vielmehr ist hier eine obskure Mischung aus den Pfr&#252;nden des Henkers, des Scharlatans und des Schneiders zusammengew&#252;rfelt worden (wobei man bei letzterem eher von einem grobschl&#228;chtigen Zun&#228;her sprechen muss, denn <!--more-->selbst ein plastischer Chirurg hat von seinem fleischigen Arbeitsmaterial weniger Ahnung, als ein vagabundierender Scherenschleifer von der Quantenphysik).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Bademeister, den man gegenw&#228;rtig in vielen Schwimmb&#228;dern antrifft, hat nichts mit den legend&#228;ren Badern, der vergangenen Epochen zu tun. Im besten Fall handelt es sich bei ihnen um eine in die Gegenwart transferierte Abart des mittelalterlichen Latrinenreinigers. Doch so viel Lob m&#246;chte man dem Bademeister gar nicht zusprechen. Den gr&#246;&#223;ten Teil seines Handwerks erledigt f&#252;r ihn ohnehin eine gut funktionierende Filteranlage, w&#228;hrend der Bademeister faul herumliegt und vielleicht noch einmal einen gr&#246;&#223;eren Brocken mit der Hand aus dem Wasser herausfischt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist also aus den guten alten Badern geworden, denen man in der Vergangenheit so ehrerbietig huldigte? Nun, die meisten von ihnen sind heute wohl Autoren und Kulturschaffende. Der Bader gl&#228;nzte ja auch fr&#252;her schon darin, die Leute neben seiner eigentlichen T&#228;tigkeit zu unterhalten und zu bespa&#223;en. Da liegt die These nahe, dass die Bader und ihre Nachfahren das bis auf den heutigen Tag einfach beibehalten und weiterentwickelt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im Mittelalter war der Bader oder B&#228;der die wichtigste Person im kulturellen Leben. 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