{"id":277,"date":"2013-04-08T11:29:32","date_gmt":"2013-04-08T09:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=277"},"modified":"2013-04-10T23:02:01","modified_gmt":"2013-04-10T21:02:01","slug":"briefe-an-beuys-pleite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fremdlesen.de\/?p=277","title":{"rendered":"Briefe an Beuys | Pleite"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Dinslaken: Hier gibt es Einiges\" alt=\"\" src=\"https:\/\/fremdlesen.de\/wp-content\/bilder\/Benjamin-Baeder-Dinslaken.jpg\" width=\"495\" height=\"217\" \/><\/p>\n<div itemprop=\"articleBody\">\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber Joseph,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gerade beendete ich eine deprimierende Runde durch meine sterbende Heimatstadt.<br \/>\nFriseure, Ramschl&#228;den mit 1-Euro-Produkten, An- und Verk&#228;ufer, Nagelstudios, Imbi&#223;buden. Berlin verpflichtet sich derweil \u201earm, aber sexy\u201c zu sein. Meine Ecke hat dagegen nicht verstanden, dass Th&#252;ringer Unfrisuren und Geln&#228;gel nichts mit Sexappeal zu schaffen haben. Wenigstens der Teil mit der Armut funktioniert tadellos.<br \/>\nIn den Nachrichten werden Ablenkungsman&#246;ver geschaltet; in den Discountern lebensf&#252;llende Ma&#223;nahmen vertickt. Wie z.B. technische Neuerungen, um den Gro&#223;teil spielerisch auszubooten. Ank&#252;ndigungen von Popstars wie dem Papst klingen gekonnt, aber f&#252;llen tempor&#228;r eher die Schlagl&#246;cher unseres Daseins. Zukunftstr&#228;ger bzw. urspr&#252;ngliche Quellen einer m&#246;glichen Bedeutsamkeit werden gekippt, wie z.B. die Zusch&#252;sse f&#252;r Arch&#228;ologie. F&#252;r tiefer gehende Themen und Gebiete fehlt die Zeit, fehlt das Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man m&#246;chte stattdessen einen Til Schweiger Tatort sehen. Den King des Monats probieren. Sich am WE zulaufen lassen und m&#246;glichst krude Sexerfahrungen sammeln. Denn was ist unser Dasein sonst wert?<br \/>\nIch h&#228;tte nie gedacht, dass der Spruch \u201eDu bist, was Du isst\u201c f&#252;r mich noch an Bedeutung gewinnen k&#246;nnte. Wobei das Essen vielmehr im Sinne des Zu-sich-Nehmens zu begreifen ist, also Konsum.<br \/>\nGestern a&#223; ich\u00a0 im Zuge einer arbeitsbedingten Teamsitzung von einem Fr&#252;hst&#252;cksbuffet. F&#252;r EUR 6,50 durfte ich so oft und so viel essen, wie ich wollte. Aber &#8230; Zahle. \u201eUns\u201c ist es schei&#223;egal, wie viel und wie oft Du isst. Hauptsache, Du zahlst Deinen Platz in der Schlange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich eigentlich mit diesem kleinen Text sagen wollte, mein lieber Joseph: Fast w&#228;re mir gar nicht aufgefallen, wie schei&#223;e die Br&#246;tchen schmeckten, da ich ja wu&#223;te, dass ich statt Qualit&#228;t Quantit&#228;t erwarten konnte. Unendliche Rationen an Br&#246;tchen. Kein Mangel an Mangelwaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir k&#246;nnen alles kaufen.<br \/>\nArmes Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gr&#252;&#223;e in die Ferne<br \/>\nOliver<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Joseph, gerade beendete ich eine deprimierende Runde durch meine sterbende Heimatstadt. Friseure, Ramschl&#228;den mit 1-Euro-Produkten, An- und Verk&#228;ufer, Nagelstudios, Imbi&#223;buden. Berlin verpflichtet sich derweil \u201earm, aber sexy\u201c zu sein. Meine Ecke hat dagegen nicht verstanden, dass Th&#252;ringer Unfrisuren und Geln&#228;gel nichts mit Sexappeal zu schaffen haben. 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